Wenn die Chef-Motivation einen Knick bekommt …

Gestartet als Unternehmensgründer einer bestimmten Profession, gelandet hinter einem Schreibtisch als Chef, der führt, lenkt und bilanziert – und manchmal morgens heimlich auf dem Firmenschild nachsehen muss, in welcher Branche genau er noch mal tätig ist.

In den letzten Wochen hatte ich einige Termine und Gespräche mit Chefs/Unternehmern, die – nun ja – in die Jahre gekommen waren. Sie selbst und auch ihr Unternehmen. Soll nicht heißen, dass es sich um Seniors handelte, die auf der Suche nach Nachfolgern sind; soll heißen, dass es sich um vor 5-10 Jahren gestartupte, heute gesetzte Unternehmen handelte, deren Tischtennisplatten und Kicker schon wieder weggepackt waren.
Die Gesprächsanlässe waren die unterschiedlichsten, auffallend allerdings eine Gemeinsamkeit, die die Chefs selbst betraf. Und im Drübernachdenken fiel mir auf, dass es Grundsätzlichkeiten gab, die  auch auf andere Chefs/Unternehmer zutrafen, mich selbst eingeschlossen.

Was genau war noch mal die Idee, die zum Schritt in die Selbstständigkeit führte?

Gestartet waren alle mit einem großen Enthusiasmus aus einer bestimmten Profession heraus. Keiner hatte als Gründungsidee „Ich will ‚Chef‘ oder ‚Unternehmer‘ werden“, bei allen stand der Beruf und die Arbeit im Mittelpunkt. Der Weg ging über das Angestelltensein nach dem Studium oder im erlernten Beruf hin zum Wunsch, sein eigener Herr mit eigenen Ideen und Zielen zu werden. Ob die Ideen und Ziele sich auf besondere Produktionswege, auf eine spezifische Warengestaltung, eine kundenorientierte Dienstleistung oder auf ein partizipatorisches Miteinander bezogen: egal. Irgendetwas sollte anders, besser und innovativer werden. Die, die es nach dem Wegräumen des Start-Up-Mobiliars noch gibt, haben’s gut geschafft, sind gewachsen, wachsen immer noch und haben mehrere Mitarbeiter. Keiner meiner Gesprächspartner hatte sich im Aufbau und in der Etablierung seines Unternehmens Gedanken darüber gemacht, was es bedeutete, Arbeitsinhalte und –prozesse zu übernehmen, die nicht originär zum Urberuf passten.

Und dann passierte bei allen … das:

Selbstverständlich wurden zum Anfang geschäftsführerische Tätigkeiten übernommen und verfeinert, Konzepte zu Finanz- und Ausrichtungsstrategien entwickelt, Bewerbungsmanagement gefahren und Personalentwicklungsmaßnahmen geplant, Förderkonzepte mit den Mitarbeitern besprochen, Kooperationspartner gesucht, gefunden und genetzwerkt – die Liste der Fremdarbeitsgebiete kann jeder Leser selbst aktiv weiterführen. Klar, die oben aufgeführten Arbeitsgebiete hat jeder der Neuunternehmer anders und auf keinen Fall so „hochtrabend“ benannt; waren sie doch sozusagen das Beiwerk der eigenen Arbeit im Unternehmen. Und wurden sozusagen nebenbei gemacht.
Im Handeln merkte allerdings jeder, dass sie letztlich just genau auf diese höchst professionellen Arbeitsgebiete herauslaufen mussten, wenn sie gut und damit zu der eigenst professionellen Unternehmensidee passen sollten. Und das hieß dann in der logischen Fortführung des Gedankens wiederum, dass der Chef eben auch dazu lernen, sich weiterbilden musste in den Kompetenzen, die Management und Führung ausmacht und die kaum jemand, der nicht EBM studiert hat, perfekt kann. (= European Business Management: Ob das Kompetenzprofil dieser Absolventen dies alles wirklich aufweist, ist übrigens nur meine Annahme …)

Tischtennisplatte und Kicker waren weggeräumt, ein Stutzen kam.

Wie und durch was ausgelöst, war wiederum sehr verschieden. Bei einigen meiner Gesprächspartner im Zuge von Mitarbeitergesprächen, die die persönliche Entwicklung dieser zum Thema hatten und zu Engagement und Lust für die Weiterbildung beruflicher Kompetenzen motivieren sollten. Spätestens dann beim Blick auf die eigenen beruflichen Kompetenzen schob sich ein quengelnder Ton in die eigenen Gedanken, der da ein wenig so klang: „Und ich? Ich will auch wieder…… (hier das jeweilige beruflich passende Verb einsetzen.)“
Über das „Ich auch wieder…“ kann man nun trefflich wehklagen und jammern – es ist ja auch eigentlich ein kleines Drama, wenn man z.B. als Elektroingenieur nach 7 Jahren Selbstständigkeit merkt, dass man zwar höchst exakt bilanzieren kann, aber die Planungs- und Ausführungsarbeit des eingestellten Elektroingenieurs, der gerade wegen eines Beinbruchs längere Zeit ausfällt, mal eben so zu erledigen…. oh….

Und dann kam da der Blick auf die Motivation. Diesmal auf die eigene.

An diesem Punkt bei den Gesprächen und Gedankengängen angekommen war die logische nächste Frage die nach der (weiteren) eigenen Motivation als Unternehmer. Wenn aufgefallen war, dass es eine Diskrepanz zwischen Ursprungsidee der Gründung, dem Urberuf und den jetzigen Arbeitsinhalten gab, war das Zugeben dieser Diskrepanz immer mit dem Wahrnehmen der eigenen Unzufriedenheit, des eigenen Motivationslochs verbunden. Wahrscheinlich zeichnet es Unternehmer und Chefs aus, eigene unschöne Unannehmlichkeiten zwar wahrzunehmen, dennoch aber nach kurzem Wehmut Antworten und damit Lösungen zu finden. Hier einige der gesammelten Tipps.

Tipps zur Selbstmotivation – auf jeden Fall für einen klareren Blick

Tipp 0

Lassen Sie das Stutzen zu. Nennen Sie das Stutzen „Motivationsloch“ oder „Durchatmen“ oder „Besinnen“ – wie auch immer. Aber halten Sie einmal kurz inne und bilanzieren Sie. Nicht zum wiederholten Male Ihre Unternehmenswerte, sondern Ihre Effektivität in allen Arbeitsgebieten; den berufseigenen und den berufsfernen als Chef und Unternehmer. Sie werden, so wie alle, feststellen, dass Sie
a) berufseigen nicht mehr viel bzw. nicht mehr effektiv arbeiten,
b) tolle Mitarbeiter haben, die dies vorzüglich können,
c) Sie Chef sind. Und zwar gut. Sonst gäbe es Sie nicht mehr.

Tipp 1 (Der eigentlich in einer Endlosschleife Tipp 1 bis Tipp 10 heißen sollte)

Akzeptieren Sie, dass Sie Chef sind. Akzeptieren Sie, dass Sie verantwortlich sind für das Unternehmen im Ganzen. Sprich: Machen Sie all dies, was ein Unternehmer tun muss, in Perfektion. Entweder selbst oder sorgen Sie dafür, dass Sie Dienstleister finden, die dies in Ihrem Sinne und in Ihrer Qualität tun. Rechnen können Sie ja (wenn nicht: Es gibt Steuerberater…)
Wenn Sie es selbst machen, arbeiten Sie sich ein und machen Sie es. Und dann machen Sie es richtig und sehr gut. Ihre Mitarbeiter sind von Ihnen für die beruflichen Arbeitsaufträge eingestellt worden, die die Basis Ihres Unternehmens bilden. Lassen Sie sie machen – auch, wenn Sie sie ebenfalls gern machen würden und natürlich auch gut konnten. Früher. Zu Beginn Ihres Unternehmertums.
Das, was Sie stark und gut in Ihrer Profession gemacht hat, das, was Sie veranlasst hat, den Weg in die Selbstständigkeit zu gehen, diesen ‚Biss‘ nutzen Sie für Ihre Chefrolle. Das bedeutet, dass Sie die Arbeiten in Ihrer Profession – sein lassen sollten.
Wenn Sie dies tun, ergeben sich neue Zeitfenster für Sie, die Sie für Ihre „Wartung“, Ihre Erholung oder was auch immer nutzen können. Dieses „Was auch immer“ schließt übrigens ein, sich wieder in Ihrem Beruf fit zu machen. Denn, seien Sie ehrlich, so ganz fit und drin sind Sie schon länger nicht mehr.

Tipp 11

Sprechen Sie mit, zeigen Sie diese Gedankengänge Ihren Mitarbeitern. Schaffen Sie eine Basis, die Sie als professionellen Fachmann Ihrer Branche kennzeichnet – mit der Fähigkeit, auf der Ebene des Chefs die verschiedensten Stränge zusammenführen. Und dazu gehört, dass die Expertise Ihrer Mitarbeiter in der rein beruflichen Ebene die Ihre mittlerweile vielleicht übertrifft – und Sie dies in Ihrer Expertise als Chef/Unternehmer mit Ihrem unternehmerischen Blick so lassen und zu einem Mehrwert zusammenführen können.

Tipp 12

Erinnern Sie noch, wie angenehm Ihre ersten Mentoren- und danach die Berufsgruppen waren? Wie Sie begeistert den Austausch gesucht, gefunden und ebenso gegeben haben und daran und damit gewachsen sind? Et voilà: Die gibt’s auch für Unternehmer, egal, aus welchem Berufs Sie kommen. Gehen Sie dorthin und besprechen Sie mit Ihren (Chef-)Kollegen Ihre Situation, Ihre Gefühle und Ihre Bedarfe an Ihrer eigenen Weiterentwicklung. Gemeinsamkeit entlastet – und schafft neue Netzwerke, die weiter arbeitsentlastend sind.

Tipp 13:

Wenn Sie all dies nicht mögen, wenn Sie wieder zurück an den Zeichen- und Planungstisch, an die Tafel und in den Stuhlkreis möchten: Machen Sie dies – und verkaufen Sie Ihre Firma an entwicklungsfreudige Mitarbeiter. Sie sollten ihnen dann aber vielleicht diese Tippliste nicht vorenthalten.

In diesem Sinne: Motivieren Sie sich doch einfach – selbst.

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