von Wolfram Lotze

So wichtig und bisweilen gar bereichernd Netzwerk-Veranstaltungen jeglicher Art auch sein mögen – eines nervt mich jedes Mal kolossal: Es sind die Namensschildchen, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Revers oder sonstwo tragen (müssen). Jede Begrüßung bei einer solchen Runde beginnt daher mit einer Verbeugung – weil man sich erstmal bücken muss, um Namen und Funktion des Gegenüber zu lesen. Über selbige will man ja anschließend ins Gespräch kommen. Dabei muss man den Damen der Schöpfung immer zwingend auf den Busen starren – dort, wo in der Regel das Namensschild prangt. Das wirkt wenig galant. Dass Menschen, die ohne Lesebrille sowieso nichts erkennen, bei der Begrüßung doppelt benachteiligt sind, sei hier nur am Rande erwähnt. Bis man die Lesebrille aus der Anzugtasche genestelt hat, ist der potenzielle Gesprächspartner schon weiter gegangen.

Doch es geht auch anders. Kürzlich war ich zu Gast bei einer Netzwerk-Veranstaltung aus dem Kreativbereich. Und die Veranstalter hatten die Lösung für alle genannten Probleme. Nach der Anmeldung konnte sich jeder Gast aus einer schön gestalteten Grabbelkiste einen bunten Button nach Wahl nehmen. Jeder Button trug ein Piktogramm – ganz simpel. So wählten die Gamer den Button mit einem Smartphone-Symbol, die Radiomacher den mit dem Lautsprecher, die Social Media-Freaks einen mit www-Logo, die Film-Fraktion einen mit Zelluloidstreifen und so weiter. Einige, die wohl in mehreren Professionen unterwegs sind oder sich einfach nicht entscheiden konnten, nahmen sich gleich drei oder vier Buttons und hefteten sie an Pullover, Schal, Kappe oder Jacke – dank Magnetismus waren alle denkbaren Befestigungsorte möglich.

Bei den folgenden Gesprächsrunden schaute man dann einfach auf den Button, fragte, was es damit auf sich habe – und schwupps ging der lockere Business-Talk los.

Die Button-Idee ließe sich auf viele andere Netzwerk-Treffs übertragen. Im Handwerksbereich kämen etwa Piktogramme mit Kamm und Schere, Hammer und Meißel, Steckdose oder Pinsel infrage Gleiches gilt für Ärzte-Treffs (Orthopäde, Zahnarzt, Internist, Gynäkologe – da gibt’s für jeden das passende Bild) oder für ein Get Together von Anwälten. Hier reicht die Bandbreite vom Scheidungs-Experten über Erb- und Arbeitsrecht bis hin zum Strafrecht – netzwerkende Advokaten haben sicherlich den Blick fürs optimale Piktogramm.

Zurück zu besagtem Kreativ-Abend: Ich hatte mir einen Button mit kleinen Fragezeichen geangelt. Als Mann des Wortes dachte ich, dieses Piktogramm würde sehr gut mein stetes Bemühen um die richtige Formulierung präsentieren. Viel, viel später erfuhr ich, dass damit eigentlich die Kategorie „Denker“ abgebildet werden sollte. Jetzt weiß ich auch, warum ich an diesem Abend so viele tiefenphilosophische Gespräche geführt habe…!