Hoffice und Coworking – ein Gedankenspiel

Um das Thema Coworkingspace und seine Pros und Contras Pros kommt im Moment kaum jemand herum. Besonders dann nicht, wenn der Jemand ein typischer Einzelunternehmer in der Beraterbranche ist. Und nach dem Coworking kommt Hoffice.

Coaches und Berater haben eines gemein; unabhängig von Quantität und Qualität der Aufträge, von Anzahl der für sie arbeitenden Dozenten etc.: Letztlich gibt es nur sie und ihr Büro.

Ihnen wird es wie mir gehen; die tollen Berichte über spacige Bürokomplexe, die zum offiziellen Coworking einladen, lese ich sehr gern. Noch lieber sehe ich die Fotos, die zum Einpacken von Notebook, Agenda und Ladekabel und zum Verschieben der Dokumente und Dateien in eine Cloud aufrufen, um sich dort ein- und anzudocken.

Aber Berater und Coaches sind nun eines ganz selten: fest und konstant in einer Stadt. Sie sind eines immer: unterwegs in anderen Städten, Sälen und Hotels. Die Balance zu halten zwischen dem Wunsch, ein atmosphärisches Büro mit Arbeitsplätzen für Kollegen zum Austausch und Konzipieren zu schaffen, und der Notwendigkeit, die Finanzeffektivität und den Nutzen abzuwägen, führt unweigerlich zu der goldenen Masterhotelbuchungscard und einem kleinen Büro daheim mit Platz für einen Schreibtisch. Seinen einen eigenen.

Home Office Coworking

In dieses Dilemma passt eine richtig interessante Idee: Home Office im Coworkingformat.  Was bedeutet: Das eigene Büro, die eigenen Büroetage wird geöffnet für eine Mitbenutzung auf Zeit. Für Kollegen auf Zeit. Aus der eigenen oder einer anderen Branche. Kollegen, die eines eint: auf der Durchreise und für eine begrenzte Zeit in einer bestimmten Stadt zu sein, ohne den Wunsch zu verlieren, sich mit anderen Berufstätigen austauschen zu können.
Öffnet ein Büroetageneigentümer oder Großraumbesitzer seinen Arbeitsplatz zum Coworken, gibt er nicht einfach den Schlüssel ab. Vielmehr strukturieren die Coworker im Homeoffice auf Zeit ihre gemeinsame Arbeitszeit sehr genau – wahrscheinlich sogar noch um einiges stringenter, als es dauerhafte Teams schaffen.

Interessanterweise wird beim Hoffice den Erkenntnissen der Arbeitsmedizin in Bezug auf den Wechsel von An- und Entspannung, von Einzel- und Teamarbeit mehr Beachtung geschenkt, als bei jedem konservativen Arbeitsgestaltungsplan. Was übrigens nicht nur der individuellen Befindlichkeit zugutekommt, sondern noch viel mehr der Effektivität und Effizienz der Arbeitsleistung des einzelnen Home Coworker.

Zeitplanung im Hoffice

Stellen Sie sich vor, Sie kommen in, sagen wir, Hamburg morgens um 9 Uhr in ihr Home Coworking Office auf Zeit. Der Arbeitstag beginnt mit einem Meetup in der Küche zum Welcome. Kurz und bündig, zum Ankommen und Kennenlernen; u.a. auch der Kaffeemaschine und ihrer Tücken. Im Anschluss findet eine kurze gemeinsame Arbeitssequenz in Form eines Stand-Ups, eines Mini-Open-Space statt, die jedem Coworker die Möglichkeit gibt, sich, seine Arbeitseinheit für heute und seine eventuellen kollegialen Beratungsinhalte vorzustellen. Dann schließt sich die Zeit der Dockingstation und der Einzelarbeit an. Nach Zeitintervallen von 2-3 Stunden, in denen vornehmlich individuell gearbeitet wird, werden die Market Places zum Austausch wieder geöffnet. Für diejenigen, die dies zu diesem Zeitpunkt nicht möchten, stehen Einzelbüros und auch ganz simpel Kopfhörer zur Verfügung.

Sehr viel Wert wird auf die realen Pausen gelegt. Jeder der Leser weiß, wie just diese Entspannungsphasen im eigenen und eigenverantwortlichen Arbeiten hinten überfallen. Und wie cool, entspannend und spannend sie sind, wenn sie gemeinsam gemacht werden.

Die Stand-Ups oder Mini-Open-Space Abschnitte haben übrigens noch einen nicht zu kleinen Nebeneffekt: Die Zeit des Austausches ist begrenzt; die Teilnehmer müssen kurz, knapp und pointiert ihre Arbeitsthesen, Pitches und Beschreibungen vortragen. Nur, wer dies gut herüberbringt, kann auf die vielgeschworenen Synergieeffekte der kollegialen Beratung setzen.

Alles in allem: Eine grandiose Idee, die die Vorteile von Coworking-Spaces sozusagen ‚auf Reisen‘ und für die, die teilen wollen, in ‚Light-Form‘ nutzbar machen lässt. Für alle, die häufig allein unterwegs sind, und dennoch nicht auf die Teamarbeit unter Kollegen verzichten wollen, und für alle vor Ort, denen eine Ausnutzung ihrer zeitweise zu großen Büroräumlichkeiten vorschwebt.

5 Sterne für Idee und Umsetzung.

 

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