Digitalisierung – echt jetzt?

Digitalisierung. Digitale Transformation. Zwei wunderschöne Buzzwords. So wie früher „Social Media“. Was hat es damit wirklich auf sich? Steckt mehr dahinter, als Twitter, Facebook und Co? Absolut. Unterm Strich nicht weniger als eine echte Revolution.

Was bringt die Digitalisierung im Unternehmensalltag?

Im Allgemeinen misst man der Digitalisierung heute die gleiche Bedeutung zu, wie der Industrialisierung seinerzeit. Nicht ohne Grund spricht mancher von der „digitalen Revolution“. Dieses Internet geht nicht mehr weg und auch wenn so mancher Twitterer heimlich unheimlich gelacht hat, als die Bundeskanzlerin 2015 vom Internet als #neuland sprach, es ist für die meisten ebendieses. Sogar für die, die seinerzeit besonders laut gelacht haben, denn Digitalisierung und digitale Revolution ist etwas ganz anderes und noch viel mehr, als bei Twitter oder Snapchat laut aufzuschreien.

Die digitale Revolution mit ihren zaghaften Anfängen in den letzten – sagen wir mal vorsichtig – fünf Jahren stürzt Unternehmen in kleine oder große Krisen, eröffnet gleichzeitig aber auch unglaubliche und nie dagewesene Chancen. Man muss sie allerdings zu packen wissen.

Automobilindustrie – Zug verpasst.

Was passiert, wenn man den Digitalisierung-Express am Bahnsteig nur durchrauschen sieht, zeigt sich jetzt und in naher Zukunft in der deutschen Automobilindustrie. VW und Co. verschwenden Jahre und Milliarden darauf, dem Verbrennungsmotor ein möglichst langfristiges Ende zu bereiten, während mir nichts dir nichts ein eher unbedarfter, aber visionärer Digital Native namens Elon Musk die Branche umkrempelt. Musk hatte damals weder Ahnung vom Autobau, noch von Akku- oder Solar-Technologie. Aber er hat große Pläne, eine Menge Geld und das Know-How, Prozesse zu optimieren und zu beschleunigen: mittels digitaler Anwendungen.

Nun, der Rest ist quasi heute schon Geschichte. Tesla baut heute nicht nur das Vorzeige-Elektroauto schlechthin. Tesla heißt nicht mal mehr „Tesla Motors“, ist seit Anfang 2017 auch namentlich viel weniger eingeschränkt, nennt sich nur noch „Tesla“. Tesla baut selbst auch die Batterien für das eigene Auto. Was daran so besonders digital ist? Das ganze Auto an sich! Wer schon mal in einem Tesla gesessen ist, der weiß, was ich meine. Und für alle anderen: Der Innovations- und Modellzyklus bei Tesla beträgt zwölft bis achtzehn Monate. Bei deutschen Autobauern sechs Jahre.

Legendär sind die Softwareupdates. Braucht der Tesla eine neue Steuerungssoftware, eine neue Version des Autopiloten oder eine Korrektur der Motorprogrammierung? Kein Problem, Updates werden des nachts automatisch via Internet eingespielt. Und der Besitzer freut sich am nächsten morgen über eine neue Funktion im Bordcomputer.

Bei deutschen Automobil-Herstellern gibt es diese Softwareupdates freilich auch – und damit ist jetzt gar nicht die Abgasmanipulation gemeint. Viel schlimmer als dieser Beschiss ist die Tatsache, dass alle, alle Autos die ein Update ebendieser Software bekommen sollen, dafür in die Werkstatt fahren müssen. Und selbst wenn der Autobesitzer dafür nicht bezahlen muss, die Werkstätten und der Konzern müssen es. Pro Auto vielleicht einhundertfünfzig bis zweihundert Euro Werklohn. Pro Auto. Was für eine gigantische Geldvernichtung. Hätte da doch mal einer beim Thema Digitalisierung besser aufgepasst.

Einen Schritt weiter. Mit dem neuen Modell 3 schickt Tesla ein markt- und massenkompatibles Auto auf die Straße. Der Verkaufspreis von rund 30.000 US-Dollar wird für den Hersteller den Durchbruch bringen, die Anzahl der Vorbestellungen lässt es erahnen. Nicht zu unterschätzen – neben den reinen Verkaufszahlen – sind jedoch die neuen Möglichkeiten, die sich Tesla dabei selbst erarbeitet. Hunderttausende Autos sammeln während ihrer Fahrt über Nebenstraßen und Highways fortlaufend Daten: über den Verkehrsfluss, über Straßen und Wegführungen, über andere Autos. Diese (nebenbei) gesammelten Daten könnten verkauft werden. Nicht wenige Unternehmen wären bereit, viel Geld für fortlaufend aktualisierte Daten zu bezahlen. Viel interessanter ist jedoch, was Tesla selbst mit den erhobenen Daten anstellen könnte (und wohl auch wird): Die Daten sind die digitalisierte Grundlage für die Entwicklung autonom fahrender Flotten. Egal ob ÖPNV, Fracht oder Individualverkehr.

Und diese Daten gehören Tesla allein. Ein technologischer Fortschritt, den die „etablierten Autobauer“ nicht mehr einholen werden können.

Digitalisierung im KMU

Automobilhersteller schön und gut, aber wie kommt die Digitalisierung jetzt in den Mittelstand? Geschäftsführer und CEOs müssen zunächst einmal verstehen, was da auf sie zukommt. Ähnlich der industriellen Revolution wird langfristig nur der überleben, der den Zug nicht nur kommen sieht, sondern auch ein Ticket löst. Wer zu spät verstanden hat, dass maschinelle Weberei schneller und hochwertiger produziert, als der Weberjunge mit seinem Schiffchen, der hatte schnell nichts mehr zu weben. Nur noch den Stuhl, der sich allenfalls als Feuerholz oder Anschauungsobjekt im Augsburger textilmuseum eignet.

Die Schaffung von CIO-Posten, Chief Information Officer, mag der eine Weg sein. Aber es ist nicht damit getan, die Verantwortung vom CEO auf den CIO abzuwälzen. Schon gar nicht, wenn der CIO aus den eigenen Reihen stammt und vorher irgendwas mit IT gemacht hat. Eben nicht!

Digitalisierung bedeutet umdenken! Die Industrie steht heute am gleichen Scheideweg, wie bei der Einführung von Schreibmaschinen und Computern. Es ist nicht damit getan, die Webseite zu erneuern und eine Facebook-Seite anzulegen. Wenn Mitarbeiter nicht wissen, wie digitale Anwendungen arbeiten, wenn sie nicht verstehen, worin deren Vorteile liegen, dann wird es nichts mit der digitalen Transformation. Und „Mitarbeiter“ schließt den Chef mit ein!

Nutzung von digitalen Anwendungen steht im Vordergrund

Cloudcomputing bietet heute eine Vielzahl von Möglichkeiten, Unternehmensprozesse zu optimieren. Die Zeiten hoher Anschaffungskosten für Hard- und vor allem Software sind seit ein paar Jahren vorbei. Unendlich viele Anwendungen warten da draußen, genutzt zu werden. Und ja, es ist für jeden etwas dabei. Sei es die Voice-over-IP-Telefonanlage, die nicht nur die internen Kosten in enormen Maße senkt, sondern durch intelligente und individuelle Anrufschaltung die Produktivität zu steigern vermag. Nachgelagerte Anwendungen und Prozesse, die sich nahtlos in die Kommunikation einbinden lassen; vom Helpdesk, über den Chatbot bis hin zu aktiven Vertriebstätigkeiten. Oder Kollaborations-Tools wie Slack oder Trello, die die klassische E-Mail ablösen oder die Projektsteuerung im Kleinen revolutioniert haben. Beide – Technologien und Tools – tragen dazu bei, klassische Strukturen, Vorgehensweisen und Arbeitsplatz-Konzepte auf den Kopf zu stellen und Wissen verfügbarer zu machen. Wenn man sie richtig anzuwenden vermag.

Neue Formen der Kundenbindung und Kundeneinbindung werden geschaffen. Sei es durch Feedbacksysteme, im Paymentbereich, zur Produktverbesserung. Die Auswirkungen reichen dabei vom selbstständigen Bäcker um die Ecke, über die Rechtsanwaltskanzlei bis hin zum Automobilkonzern. Digitalisierung macht vor keinem Anwendungsbereich, vor keiner Branche halt. Die Frage ist nur, wer zuerst sein Ticket löst.

Die Kunst besteht letztlich darin, die eingefahrenen Prozesse in Firmen zu überdenken, auf den Prüfstand zu stellen und neu zu definieren. Größtes Hemmnis ist das fehlende Know How über die Anwendungsmöglichkeiten. Die Digitalisierung fängt im Kopf an; beim Verstehen. Beim CEO genauso wie beim Pförtner.

Projektfelder der Digitalisierung

Welche Projekte und Tools für Unternehmen sinnvoll sind, lässt sich pauschal nicht sagen. Schließlich hängt es vom Innovationswillen genauso ab, wie von der Investitionsfähigkeit. Um Kosten zu sparen, muss Geld investiert werden. Das war schon immer so und wird sich bei der Digitalisierung in kleinen und mittelständischen Unternehmen nicht ändern.

  • Nutzung neuer Software (Apps, Cloudcomputing)
  • Einführung neuer Kommunikationsprozesse (intern und extern)
  • Verknüpfung von Prozessen und Geschäftsbereichen
  • Anbindung externer Dienstleister oder Auftraggeber
  • Reorganisation von Workflows
  • Entwicklung digitaler Marketing- und Vertriebskonzepte
  • Erhebung von Daten und Nutzung erhobener Daten (big data)

Die Auflistung zeigt, welche Felder Unternehmen beackern müssen, um in die Digitalisierung einzusteigen. Wohlgemerkt: wer glaubt, nicht alles aus dieser Liste sei auch auf sein Unternehmen anwendbar, der sollte ganz ernsthaft einen externen Berater hinzuziehen – egal ob Krankenhaus, Taxiunternehmer oder Maschinenbauer.

Aus dem Nähkästchen geplaudert.

Ja, ja, in der Theorie reden (schreiben) kann er viel. Aber wie sieht das jetzt konkret aus? Darüber plaudert er, also ich, aus dem Nähkästchen. Demnächst hier – im Beitrag „Digitalisierung bei cnsult“.

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